
Gesunde Selbstführung
Drei wissenschaftlich fundierte Konzepte als Ansatz für gesunde Selbstführung
Gesunde Selbstführung lässt sich heute nicht mehr auf Disziplin oder Stressresistenz reduzieren. Sie erfordert ein Zusammenspiel aus körperlicher Präsenz, emotionaler Balance und mentaler Klarheit.
Das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele wird u.a. in den Modellen
- Salutogenese,
- PERMA und
- Embodiment
greifbar und findet so den Anschluss in den Businesskontext.
Salutogenese
Das Modell der Salutogenese wurde vom Medizinsoziologen Aaron Antonovsky entwickelt. Es fragt nicht, was krank macht, sondern:
Was hält Menschen trotz
Belastungen gesund?
Die zentrale Idee ist das sogenannte Kohärenzgefühl, bestehend aus
- Verstehbarkeit: Ich verstehe, was in meinem Leben geschieht, auch in schwierigen Situationen. Herausforderungen im Arbeitskontext kann ich nachvollziehen und einordnen.
- Handhabbarkeit: Ich empfinde Sicherheit, dass mir genügend Fähigkeiten, Unterstützung und Ressourcen zur Verfügung stehen, um mit Anforderungen umzugehen. Ich habe das Vertrauen, auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben und Lösungen zu finden.
- Sinnhaftigkeit: Es lohnt sich für mich, mich einzubringen. Meine Tätigkeit und mein Wirken erlebe ich als bedeutsam.
Salutogenese betont die aktive Rolle und Eigenverantwortung des Menschen bei der Gesunderhaltung. Wer sein Leben als verständlich, bewältigbar und sinnhaft erlebt, kann Stress besser regulieren und bleibt resilienter, im persönlichen und beruflichen Alltag.
PERMA
Das PERMA-Modell stammt aus der Positiven Psychologie nach Martin Seligman. Es beschreibt fünf Elemente, die das psychische Wohlbefinden und die persönliche Motivation fördern:
P – Positive Emotionen: Freude, Dankbarkeit, Zuversicht
E – Engagement: In Tätigkeiten aufgehen, Stärken nutzen, Flow erleben
R – Relationships: Verbundene, unterstützende Beziehungen
M – Meaning: Sinn erleben – in Arbeit, Beziehungen, Leben
A – Accomplishment: Ziele erreichen, Wirksamkeit erleben
PERMA betont, Wohlbefinden ist kein Zufall, sondern lässt sich durch bewusste Gestaltung fördern, sowohl im Alltag als auch im Arbeitskontext.
Embodiment
Der Begriff Embodiment beschreibt die enge Verbindung und die gegenseitige Beeinflussung von Körper, Emotion und Kognition. Unsere Gedanken, Gefühle und Haltungen zeigen sich im Körper, und umgekehrt beeinflusst der Körper, wie wir denken fühlen und handeln.
Embodiment wird wissenschaftlich u. a. in der Neuropsychologie und in der Achtsamkeitsforschung untersucht. Typische Erkenntnisse:
- Der Körper speichert emotionale Erfahrungen (z. B. Anspannung bei Druck).
- Körperhaltung beeinflusst Selbstwahrnehmung (z. B. Aufrichtung = mehr Selbstbewusstsein).
- Bewegung, Atem und bewusste Körperwahrnehmung können Stress reduzieren und Klarheit fördern.
Embodiment ist also kein esoterisches Konzept, sondern beschreibt sehr konkret, wie Körper und Geist zusammenarbeiten und wie der Körper als Ressource in Selbstführung eingebunden werden kann.
Ob Salutogenese, Embodiment oder PERMA, alle drei Modelle richten den Blick auf die Stärken des Menschen, nicht auf Defizite. Sie zeigen, dass gesunde Selbstführung entsteht, wenn:
- Menschen sich selbst verstehen (Kognition)
- sich im eigenen Körper spüren und regulieren können (Physiologie)
- Sinn erleben in dem, was sie tun (Emotion & Motivation)
Die Verbindung von Körper, Seele und Geist ist heute kein spiritueller Ansatz mehr, sondern anschlussfähig an moderne Führungsforschung, Gesundheitspsychologie und Coachingpraxis.
